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Die Ruckkehr der Weiblichkeit

Xarah von den Vielenregen, Miss Julietta und Lady Lou (v.l.) unterrichten Burlesque. Foto: Benjamin Pritzkuleit
Xarah von den Vielenregen, Miss Julietta und Lady Lou (v.l.) unterrichten Burlesque. Das Spiel mit den Namen pflegen sie genauso wie das Spiel mit der Erotik.

Berlin tanzt wieder Burlesque - und ein Studio in Mitte gibt Schnupperkurse

Ina Brzoska

Zufrieden blickt Lady Lou in den Spiegel. Breiter Taillengürtel, hohe Lack-Pumps, blutrote Lippen. Hinter ihr haben sich acht Frauen postiert und warten darauf, dass die Burlesque-Tänzerin mit ihrem Schnupperkurs im erotischen Tanztheater beginnt. Aus den Boxen klingt lasziver Swing, nach Sekt mit Erdbeeren sind alle schon ein wenig aufgeheizt und Lady Lou setzt sich in Pose. Mit ausschweifender Handbewegung greift sie auf ihr Gesäß. Dann wackelt plötzlich ihr Po, und sie schüttelt die Schultern.

"Macht euch locker", ruft die 30-Jährige den Schülerinnen zu. Einige gucken angestrengt, schnelles Schütteln und Wackeln will gelernt sein, ebenso wie der Gang auf zehn Zentimeter hohen Absätzen.

Seit sich 20er-Jahre-Partys wie Boheme Sauvage wieder großer Beliebtheit erfreuen, wächst auch das Interesse am Burlesque. Tänzerinnen werden aus Berlin nach London oder New York gebucht, und junge Berlinerinnen begeistern sich wieder für Korsetts, Satinhandschuhe oder Straußenfedern. Eine der Kursteilnehmerinnen will den Freund mit neuem Hüftschwung erobern, eine 18-Jährige plant eine Performance für das Schultheater. Andere wollen an die Marilyn-Manson-Muse Dita von Teese erinnern, wenn sie ausgehen.

Das Studio Schönheitstanz ist bislang der einzige Ort, der in Berlin Burlesque-Kurse anbietet. Lady Lou entdeckte diese Marktlücke. Wer einen Wochenendkurs bei ihr bucht, zahlt satte 143 Euro. Neben Pin-up-Bewegungen à la Betty Page oder Marilyn Monroe lernen Teilnehmer dafür alles über Wasserwellen, Vintage-Frisuren und die Mode aus den 20ern, 30ern oder aus den 50ern. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts belustigte der erotische Entkleidungstanz die armen Schichten in Großbritannien und den USA. Damals verschmolzen beim Burlesque Musik, Comedy und Tanz zu literarischen Parodien oder vulgären Possen. Immer mit dem Ziel, die hohen Werke des Theaters und der Opern sowie die Gepflogenheiten der "Upperclass" zu karikieren. In Berlin boomte das Phänomen in den 20ern und 30ern. Wenn Burlesque-Tänzerinnen sich heute in Paris, New York oder Berlin ausziehen, so wollen sie das nicht als Table-Dance verstanden wissen. Blank gezogen werde im Gegensatz zum Strip nie, erzählt Lady Lou: Höschen und selbstklebende Pailletten-Pasties auf den Brüsten sollen das Ordinäre verdrängen - und Freiraum für Fantasie lassen.

Die Berlinerinnen haben im Studio für Schönheitstanz die ersten Aufwärmübungen hinter sich. "Die Frauen sind nie dürr und trotzdem sexy", erklärt Maria Rehfeld ihre Faszination für Burslesque. An diesem Abend ist die 23-Jährige direkt aus dem Büro zum Schnupperkurs gekommen, auch weil sie das Einerlei aus Turnschuhen und Jeans auf austauschbaren Elektro-Partys einfach satt hat. Neben ihr lehnt die 18-jährige Abiturientin Lotte Jakobi schon ziemlich lasziv an der Wand. Ihre Haare hat sie zu kunstvollen Locken aufgedreht, auf den Pumps steht sie sicher. Jetzt will sie den Hüftschwung üben, um auf der nächsten Party zu punkten.

Der nächste Schnupperkurs findet am 26. Februar um 19 Uhr im Studio Schönheitstanz in der Charitéstraße 4 in Mitte statt. Weitere Infos im Internet unter www.schoenheitstanz.de

Berliner Zeitung, 17.2.2009